Page 8 - Kloensnack Ausgabe 666
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Häusliche Gewalt ist keine Privatsache!


     Zweites Netzwerktreffen Interventionskette Häusliche Gewalt

     Diepholz. Der Statistik kann entnommen   das Opfer die Möglichkeit, sich um seine
     werden, dass das Phänomen „Häusliche   Belange zu kümmern, um zukünftig ein si­
     Gewalt” mehr denn je präsent ist. Steigen­  cheres und gewaltfreies Leben führen zu
     de Fallzahlen sprechen für sich (2023 612   können.
     / 2022 565 Fälle häuslicher Gewalt in der   Nicht selten führt das auch zu Überforde­
     Polizeiinspektion Diepholz). Aber ist dieses   rung auf Seiten der Opfer. Sie überblicken
     Phänomen auch in unserer Gesellschaft, in   schon allein aus vielfältigen emotionalen
     unseren Köpfen angekommen?     Gründen nicht, wie dieses 'kümmern' ei­
     In der Nachbarschaft wird immer wieder­  gentlich aussehen könnten. Liebe, Sorge
     kehrender Streit wahrgenommen. In der   um die Kinder, Geldsorgen, Auseinander­
     häuslichen Gemeinschaft wird geschrien,   setzungen mit den Behörden wie Jugend­
     ge­ und bedroht ­ nicht nur verbal, es geht   amt, Familienhilfe und Gerichten und wei­
     dort mitunter handfest zur Sache. Es wird   tere gefühlte Abhängigkeiten stehen zu oft
     geschlagen, getreten, mit Gegenständen   im Vordergrund.
     jemand verletzt. Nehme ich derartige Ge­  Um die Opfer von häuslicher Gewalt best­
     schehnisse wahr und wie regiere ich da­  möglich unterstützen zu können, hat sich
     rauf? Biete ich meine Hilfe an? Suche ich   das Netzwerk Interventionskette „Häusliche
     das Gespräch? Oder nutze ich die Notruf­  Gewalt im Landkreis Diepholz” zur Aufga­
     nummer 110? Oder schaue ich einfach   be gemacht, die verschiedenen Aktiven in
     weg, weil es mich nichts angeht? Privat­  diesen Ereignissen wie u.a. Jugendamt,
     sache? Was passiert mit Kindern in den   Sozialraumteams des Fachdienst Jugend,
     gewaltbetroffenen Haushalten? Fragen,   Landesschulbehörde, Schulen, Familienhil­
     denen man sich stellen kann, wenn im ei­  fe, Opfer­ und Täterberatungsstellen, Poli­
     genen sozialen Umfeld, wie Nachbarschaft,   zei, Justiz, Opferhilfeeinrichtungen, Frauen­
     Familie, Beruf oder Sport derartige Sach­  schutzhaus und Frauenberatungsstellen zu
     verhalte bekannt werden.       vereinen und in einen engeren Austausch
     Studien belegen immer wieder, dass Opfer   miteinander zu bringen.
     von häuslicher Gewalt eine lange Leidens­  Wer macht im Rahmen seiner Profession
     geschichte haben, welche auch durch das  eigentlich was und wo kann man sich für   Das Vorbereitungsteam Interventionskette häusliche Gewalt (v.l.n.r.) mit Corinna Wieg-
     soziale Umfeld wahrgenommen wird. Un­  den Schutz von Opfern in der gemeinsa­  mann, Fachberatungsstelle für Frauen und Mädchen, Bruchhausen-Vilsen; Jutta Stri-
     beobachtet bleiben die Ereignisse von   men individuellen Arbeit ergänzen und ge­  cker, Kriminaloberkommissarin, Ansprechpartnerin Interventionskette Häusliche Gewalt;
     häuslicher Gewalt in der Regel nicht.   genseitig unterstützen?  Chris tina Runge, Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Diepholz; Michael Wessels, Kri-
     Im Falle einer Notrufauslösung 110 ist die   Im Rahmen des 2. Netzwerktreffens, wel­  minalhauptkommissar, Beauftragter für Kriminalprävention; Doris Wieferich, Leiterin des
     Polizei für die Opfer immer die erste An­  ches erneut in Twistringen stattfand, haben   Netzwerkes gegen Häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz e.V..                    Foto: Polizei
     laufstelle im Rahmen der Kriseninterven­  sich etwa 80 Aktive getroffen. In Kleingrup­
     tion. Nach der Sachverhaltserfassung vor   penarbeit wurde ein anonymisierter Sach­
     Ort wird dem Opfer Hilfe angeboten. Mittels   verhalt vorgestellt, in dem die Netzwerk­
     einer Wegweisung des Täters / der Täterin   teilnehmenden im Rahmen ihrer jeweiligen
     aus der Wohnung von mehreren Tagen, hat   Aufgaben darstellen konnten, wie und in
                                    welcher Art dem Opfer geholfen werden
                                    kann. Dies war insofern so spannend, da
     Gesprächsreihe                 die Teilnehmenden sehr bunt gemischt zu­
                                    sammen saßen. Der informelle Austausch
     zur Bibel                      an den Arbeitstischen war dadurch sehr
                                    vielfältig und bereichernd. Die Ergebnisse
     Wagenfeld/Ströhen. Die evangelische   wurden anschließend vorgestellt und dis­
     Gesamtkirchengemeinde Ströhen­Wa­  kutiert.
     genfeld lädt ein zum nächsten Abend der   Je eher, umso besser. Das nächste Netz­
     diesjährigen Gesprächsreihe zur Bibel am   werktreffen ist bereits in Planung. Organi­
     Mittwoch, dem 29. Mai, um 20 Uhr im Ge­  siert wird dieses Netzwerk durch Aktive der
     meindehaus Wagenfeld, Oppenweher Stra­  Polizei, des Landkreises Diepholz und des
     ße 18. Unter der Überschrift „Und das ist   Netzwerkes gegen
     erst der Anfang. . .“ geht es um Zugänge   „Häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz
     zur biblischen Urgeschichte. Thema dieses   e.V.” Bei Fragen oder Interesse, Teil des
     Abends: „Fluch und Schutz“. Interessierte   Netzwerkes Interventionskette Häusliche
     sind willkommen. Vorkenntnisse sind nicht   Gewalt zu werden, wenden Sie sich an die
     erforderlich.                  E­Mail­Anschrift interventionskette@pi­dh.
                                    polizei.niedersachsen.de          -ots-

























       8     KLÖNSNACK · Ausgabe 666 - 17. Mai 2024
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